Low Fidelity

staatsakt. 09/2014


Gereon Klug (Hans E.Platte) ist einer der größten Newslettertexteschreiber dieser beknackten Republik.
Woche für Woche betreibt er in seinen Schriften für die Hanseplatte (die mit der Unterstützung von Bock City) Werbung für Musik mit herrlichem Anti-Werbe-Sprech und bizarrer Dub-Poesie. Oberflächlich betrachtet.
In Wirklichkeit arbeitet er im Narrativ eines selbstbewussten Putzerfischs akribisch an einem Passagenwerk der Popkultur.

Eine wirklich sehr gute Auswahl bisher vorliegender Texte findet sich nun in dem Buch
"Low Fidelity - Hans E. Plattes Briefe gegen den Mainstream" versammelt.

Wer mitreden will sollte dieses Buch also unbedingt kaufen.

Dass wir aus dem Hause Staatsakt, selbst seit vielen Jahren im Newsletter-Geschehen tätig, nun einen von Hans E. Platte kompilierten wie kommentierten Sampler zum Buch herausbringen dürfen, freut uns natürlich wie Bolle!
Also gleich mifreuen und schon wieder: kaufen!
Lesen Sie nun hier exklusiv ein Interview mit Gereon Klug über den Zusammenbruch der Newsletterszene, ein bisschen Rock, ein wenig Pop und ein Loch namens Mensch...


Lieber Hans, wie geht es Dir heute?
- Sehr gut, danke. Es ist ein großer Tag für Dich: Du kannst mich jetzt kaufen!

Deine Newsletter sind nun in Buchform beim mutigen Verlag Tolkemitt und Haffmann erschienen. Vermutlich das erste gebundene Buch mit Newslettern überhaupt.
- Vermutlich! Sicher werden die anderen nachziehen, aber das ist ja dem Leithammel unter den Zugvögeln egal.

Newslettertexte in Buchform. Wer soll das eigentlich lesen?
- Alle sollen das lesen. Sehen Sie, für mich sind die Newsletter eine Art Fluss aus Leberwurstpaste, der in die Pressmaschine muss. Schön, wenn da jemand mitschippert und Trüffel reinpackt, aber beleidigt ankommen tut man auch so.

Erinnerst Du Dich an Dein erstes Mal? Deinen ersten Newsletter?
- Das war eine ganz aufregende Sache! Mit 14 war das! Meine Eltern durften natürlich nichts mitkriegen, ich hab ein bißchen rumgespielt mit den Buchstaben und so und als meine Mutter reinkam: Schnell Fenster auf!

Dein zweites Mal?
- Da habe ich bereits daran gedacht, aufzuhören. Habe ich natürlich nicht geschafft, Geld für einen ordentlich begleiteten Entzug war auch keins da. Meine Eltern wissen das bis heute nicht.

Hat Facebook die Newsletter-Szene eigentlich kaputt gemacht?
- Eindeutig. Früher war das eine blühende Crowd, die sich gegenseitig reingerissen hat in den Sumpf und wir haben auch ordentlich nach außen gekobert, um neue Peoples reinzuholen. Das bereue ich manchmal heute. Aus manchen ist ja was geworden, aber andere sind auch Schriftsteller, Labelbesitzer oder so geworden. Schlimm.

Du könntest doch auch twittern, und Dir sekündlich Deinen Fame abholen. Vermutlich wärest Du innerhalb von wenigen Wochen ein echter Star. Die Konkurrenz ist wirklich schwach auf den Buchstabenbeinen.
- So was fasse ich nicht an! Ich fasse überhaupt nichts mehr an, was aus Amerika kommt, egal, ob das mehr Erfolg bringen würde. Inzwischen twittern ja auch Kinder und Tiere, wo soll das hinführen? Bald sind alle hart drauf.

Die Kunst des Werbens ist die, das der Kunde gar nicht erst merkt das man ihm etwas andrehen will. Wo hast Du das gelernt? Oder bist Du Naturtalent?
- Die Idee hatte ich auf der Strasse aufgesammelt: Bei uns im Dorf gabs ein Imbiß, der verkaufte einen Döner für 3 Euro, aber 3 für 10 Euro. Da habe ich geschnallt, dass der die Leute vom Geldausgeben so clever abgelenkt hat, dass die gar nicht merken, dass sie was überteuert kaufen.

Sag doch auch mal was zu dem Sampler, den wir heute für Dich herausbringen und bewerben. Wozu braucht man im Zeitalter von YouTube, Wikipedia, iTunes und Spotify überhaupt noch Sampler?
- Nur der Werkstoff Sampler ist ewig haltbar. Unser Sampler ist nach uralter Kunst im Süd-Harz zusammengeklöppelt und noch warm direkt eingeflanscht. Von erfahrenen Dramaturgen aus der Szene geordnet. Das kann keine Maschine oder Algorithmus. Wenn die Technik so toll, wieso gibts denn noch kein Perpetuum Mobile? Na?

Wer wird deutscher Meister?
- Ich hab ja schon Pferde gesehen, aber da kommt nur einer in Frage.

Und wer wird der neue Bürgermeister von Berlin?
- Wieder ein neuer Knallfrosch, der alles verwechselt.

Kann man sich in Hamburg wirklich keine anständige Wohnung mehr leisten?
- Bald wird der Hafen leergepumpt, dann ist genug Platz.

Welche Band sollte sich lieber schnell auflösen?
- Am besten alle, die man ganz doll mag! Dann kommen Solo-Platten und die erscheinen mehr und öfter als Band-Platten.
Haste also mittelfristig mehr von!


Und welche soll endlich wieder zurückkommen?
- Gibt doch alle wieder, bis auf die vom Tod geplagten und ABBA und Smiths.

Ist Gott eine Frau?
- Denke nicht. Hinter der Idee, Menschen nackt auf die Erde zu schicken, kann eigentlich nur ein Mann kommen.

Und ist Sprache wirklich ein Virus der von Outa Space (William S. Burroughs)?
- Sprache ist der müde Säugling eines Gedanken.

Gin Tonic?
- Ja, gern.

Reinhören in den hervorragend kompilierten Sampler mit Adolf Noise, Erobique, Rocko Schamoni, Rica Blunck, Saal2, Deichkind uva. kann man übrigens hier:

Und hier kann man sich für den Hanseplatte-Newsletter eintragen.

(ganz weit runterscrollen...)

Grüße von denen mit den neuesten News über die Newsletterszene Deutschlands

Euer:
Staatsakt.

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Auch wir denken an Rücktritt

staatsakt. 09/2014


Nationalspieler treten zurück. Die Französische Regierung tritt zurück. Und der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit hat seinen Dienst nun also auch quittiert.

Und wir? Wir bringen ein Album nach dem anderen heraus während sich die Künstler den Arsch abtouren. Immer schön kritisch in Pop-Opposition begriffen flüchten wir auf unserer kleinen MS Staatsakt, den Kurs schon seit mindestens Januar auf Libertatia genommen.

Während den Menschen außerhalb der Popzone gerade zeitgleich mit etwas Glück nur die Dächer weggebombt werden, schauen wir auf die Charts, die Ticketverkäufe, oder einfach nur auf eine Gelegenheit um uns am nächsten Tresen den Gin hinter die Binsen zu kippen.

Man kann dabei nicht sagen, dass uns die Lust an der Musik vergangen wäre.
Das wäre ja in etwa so, als würde einem die Lust am Träumen vergehen. Aber die Arbeitsbedingungen im Independent-Label-Biz sind in den letzten Jahren auch nicht wirklich besser geworden.
Was sagen Sie?
Jammern auf hohlem Niveau?
Sie sagen es.

Im Grunde werden wir immer mehr zu freiwilligen Sklaven einer global-googelnden Werbeindustrie die Musik schon längst nur noch als Treibstoff zur Vermarktung braucht. Die Produkte selbst werden zur Botschaft. Und sie sprechen immer zu die gleichen zwei Worte: Konsumiere mich!

Wenn man sich dabei allein nur in dieser Woche das Geschehen auf den Bühnen und in den Plattenregalen anschaut, weiß man beim besten Willen gar nicht mehr wohin mit seiner mit Empathie aufgeladenen Geldbörse!

Keiner unserer Künstler ist sich nicht über die absurde Situation seines Schaffens bewusst. Dafür können wir immerhin garantieren.

Aber wie soll es denn nun weiter gehen?

Ja, wie antwortet der Westfale immer so schön maulfaul auf die Frage wie es ihm geht?

Muss ja.

Euer:
Staatsakt.

PS:
Lob der Realität

PPS:

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News are my reality

staatsakt. 07/2014


Freunde der Informationsgesellschaft,

ist es nicht ein Wahnsinn wie alles schön nebeneinander herläuft.
Was wir für kognitive Weltmeisterleistungen zu Stande bringen?!

Ein paar praktische Beispiele aus unserem Gehirn:

Kategorie 1: Fußball WM
Unterkategorie 1: Europäische Mannschaften
Unterkategorie 2: Südamerikanische Mannschaften

Kategorie 2: Getränke
Unterkategorie 1: Alkoholische Getränke
Unterkategorie 2: Alkoholfreie Getränke

Kategorie 3: Musik
Unterkategorie 1: Mainstream
Unterkategorie 2: Nischenprodukte

Kategorie 4: Schmerzen
Unterkategorie 1: Geht schon...
Unterkategorie 2: Ab zum Arzt!

Bevor wir uns in die Sommerferien verabschieden, und wir uns dort zur Abwechslung mal ein paar neue Kategorien suchen (praktische Beispiele: Freundlicher Brandenburger vs. Unfreundlicher Brandenburger, Lokale Bierspezialitäten vs. Becks, Radwanderweg vs. Bundesstrasse, Ehekrach vs. Eine spitzen Zeit gehabt) wollen wir hier noch einmal rasch auf unser Notbetreuungsprogramm für chronisch unterforderte Synapsenbusfahrer hinweisen.

Wem also in den Ferien urplötzlich langweilig werden sollte, weil es ihm da draußen in der Mecklenburgischen Prärie an packenden Aufgaben fehlt, dem raten wir die neue Covermaschine von PeterLicht anzuschmeißen. Hier kann man unendlich viele Bilder von seinem Smartphone oder Computer hinauf in den Himmel der Erkenntnis laden. Und das tollste daran: Man kann die Maschine überall mit hinnehmen!
(Na gut, nur dorthin wo die Internetverbindung steht, zur Not halt mal in die Dorfschenke und nach Pils und Wi-Fi fragen...)

Die originellsten Exemplare noch auszudenkender Kategorien landen dann auf der Verpackung von LOB DER REALITÄT, dem Live-not-live-Album, welches wir am Tag der deutschen Einheit unter Dauerjubel auf die Fanmeile schmeißen werden.
Das Buch zur Platte bringen die freundlichen Kollegen beim Blumenbar-Verlag heraus.

Hier noch der Link ins Glück (die Maschine findet sich dort und ist im Grunde selbsterklärend).
Früher standen wir auf Rock-A-Billy, heute legen wir eben gesteigerten Wert auf die Use-A-Bility:

http://www.lob-der-realitaet.de Nicht vergessen: Vorher erscheinen die wirklich sehr guten Alben von DIE STERNE („Flucht in die Flucht“) und JENS FRIEBE („Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus“), zwischendrin die Vinyl-Ausgabe des neuen NRBQ Albums („Brass Tacks“) so wie der Sampler zum Bierfass von Hans E. Platte: Low Fidelity. (wo nun wieder die tollen Kollegen bei Haffmans und Tolkemitt das Buch zum Pullover herausbringen werden...)

Puh!

Und am 1.August erscheint die KNAST EP von CHUCKAMUCK - pünktlich zur gemeinsamen Tour mit den BEATSTEAKS!
Hier ein fremdenfeindlicher Song gegen alles was einen befremdet.
Die eigenen Emotion gleich eingeschlossen:

Steckt uns da rein wo es am schönsten ist!

Eure:
Outputs in den Ferien

PS: Na, selbstverständlich kommen wir auch zum DOWN BY THE RIVER Festival ins AboutBlank am 26.07. in Berlin.
Mit SCHNIPO SCHRANKE und ihrem jetzt schon legendären Urologen-Soul:

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Im Knast

staatsakt. 07/2014


Chuckamuck: Im Knast

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