Fragen der neuen Weltsprache (Informatik)

staatsakt. 10/2014


- Wie weit konnten wir uns analog von unseren Eltern entfernen?
- Und wie weit haben wir uns dann weiter von uns selbst entfernt?
- Was hat die Libido mit all dem zu tun?
- Wie geht man im Internet mit der eigenen Nazi- und Stasi-Vergangenheit um?
- Einfach alles der NSA in die Wolke schieben?
- Überhaupt: Wie sollen wir auch nur die jüngste Vergangenheit verarbeiten, wenn unser Leit-Medium und seine Algorithmen einem ständig die Aktualisierung einer Konstruktion namens Gegenwart in Marschrichtung Zukunft abverlangen?
- Spielen wir alle zusammen nur die Klaviatur eines grauenhaften Prog-Rocks?
- Kann eine Maschine für mich Begriffe schälen und schärfen?
- Und gesetzt dem Falle sie kann es: Wie gelangt der Informationsgehalt nur in mein Gehirn?
- Was ist der Unterschied zwischen einer Verarschung und einer Hoax?
- Wenn wir künftig alle wichtigen Rechenoperationen den Maschinen überlassen - Gehen die Denker dann bald auf die Strasse?
- Zum denken?
- Oder um sich zu besaufen?
- Ja, wo soll ich nochmal schnell welches Petitionsjawort anclicken?
- Und, ach so: Warum wechselt Adele denn nun eigentlich doch zur Sony?
- Doch nicht etwa wegen des Geldes?!

Wir haben hier gerade viele Gedanken zu solchen Fragen floaten, während unser freiwilliger Mitarbeiter Sven Tepperwien of Bad-Kleinen-Fame akribisch seine selbstgebaute Jukebox zusammen bastelt.
Auch eine Form der Vergangenheitsbewältigung: Eine Jukebox bauen, mit Musik bestücken um sie wie ein Altar des Pharamkons in der Mitte des Microsozialen aufzustellen.
Die Maschine wird Gedächtnis, der Mensch aber ständig zum durchblättern gezwungen:
Memories are made of hits...

Zwingen kann man in der iGoogle-Gesellschaft von Heute ja angeblich niemanden mehr, aber man kann alle immerzu freundlich einladen und umwerben, notfalls mit dem Logarithmus der Penetranz.

So können wir gerade nur dringend dazu raten zu den Shows unseres Zirkus-Not-Zirkus BONAPARTE zu gehen. Die Sneak-Preview-Show in der Volksbühne im Mai war eine der leidenschaftlichsten Bonaparte-Shows, die wir je gesehen haben. Und wir haben wirklich viel gesehen.
Das einige Ex-Hipster heute lieber bei Neo-Klassik entspannen oder bei der Staffel nach der Staffel nach der Staffel eingeschlafen sind sei verziehen. Aber auch bei BONAPARTE wird ja eine Geschichte weitererzählt.
Und die ist und bleibt immer noch eine der interessantesten Rock & Roll-Geschichten der letzten Jahre!

Jens Friebe, der Rock & Roll-Geschichten immer nur dann mag, wenn er dahinter keine schwitzenden und ach so authentischen Männer vermutet, ist gerade mit dem psychedelischen Duo Andi und Chris unterwegs, und auch hier ist dem geneigten Fan dringend zu raten, sich die Konzerte doch auch mal live anzuschauen.
Zitieren wir einfach den aktuellen Album-Titel:
Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus!

Morgen zum Beispiel im Bi Nuu in Berlin.

Übrigens: Schmuckeremit Friedrich Liechtenstein, also jener feine bärtige Herr, den man seit jenem supergeilen Supermarkt-Video von Flensburg bis nach Oberammergau kennt, hat sich gegen die Major-Industrie entschieden - also für unser Label.

Sein aktuelles Album "Bad Gastein", jenem Kurort am verwunschenen Wasserfall in Österreich gewidmet, erscheint am kommenden Freitag auf Vinyl und CD auf staatsakt.

Seine Art des "trolling" im Internet ist auch eine Option, die dringenden Fragestellungen unserer Zeit mit den ewig-jugendlichen, modernen Methoden der Zeitverschwendung zu bewältigen:
Wer Lust of "trolling" und Musendasein in einem hat, der sollte sich unbedingt hier nach Lust und Laune einmischen!
Texte, Musik-Samples und sonstiges ausgelagertes Gehirn: Johannes und sein Damenchor machen Raclette aus Dir! (Hallo Patric Catani!)

Neues Chris Imler-Video+Tournee, die kommende Hans Unstern-Tour, neue Pudel-Maxi mit RVDS, neue PeterLicht- oder Ja, Panik-Termine und das von den Suchmaschinen heiss erwartete Debüt-Album von DER MANN:
Das alles in Bälde, wenn wir die Fragen von heute zwar garantiert nicht beantwortet, aber am Ende des Tages einfach wieder drüber weggearbeitet haben werden.

Libido never lies!

Eure:
Mutter aller Parties

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Lob der Realität

staatsakt. 10/2014


"Deutscher Drohneneinsatz in der Ukraine ist in der Schwebe"
SZ via Twitter

Na, merkst Du wie der Satz mit doppeltem Flugboden zum echten Witzgeschoss wird? Da hätte Karl Kraus doch seine helle Freude dran gehabt.

Aber klar, bei Twitter musst Du immer extra viel Wortwürze in die wenigen Zeichen reintun. Sonst wird das nichts mit der Reichweite.
Da ist auch so ein Tweet schnell mehr als in der Schwebe, ja und um im Bild zu bleiben: Der Text fliegt dann garantiert keine 100 Kilometer weit.

Und darum geht es uns doch heute: Um die Reichweite.
Die Popularität einer Information.

Wahrscheinlich wäre es den meisten Menschen, die bei Twitter stündlich ihre Texte raushauen, mehr als unangenehm, wenn auch nur die Hälfte ihrer Leserschaft vor dem Balkon stehen würde um dort live eine neue Nachricht "zu empfangen".

Aber heute geht das alles.
Auch ohne Balkon.

Einfach aus der eingebildeten Anonymität heraus in die Welt hinaus texten, irgendwo zwischen Cyber-Flaneur, digitalem Denunziantentum, Pleiten, Pech & Pannen und angegooltem Wikipedia-Wissen.

Hier mal aus der Praxis unsere letzten, wirklich sehr guten gehastaggten Spitzen-Albumtitel-Slogans for the sky aus der Küche von Die Sterne, Jens Friebe und PeterLicht (alle drei auch als Langspielplatten erhältlich):

Flucht in die Flucht.

Nackte Angst zieh dich an wir gehen aus.

Lob der Realität.

Noch nicht bei Bit-Torrent zu kaufen, dafür aber bei den üblichen Marge-Abzwackern mit und ohne I-punkt.


Ach, und wo doch unbedingt noch drauf hingewiesen werden muss, wo wir doch gerade bei der Reich-Weite sind:

Das Vagabundenleben

PeterLicht, Die Sterne, Jens Friebe, Gereon Klug, Bonaparte, Ja, Panik!
Alle ziehen sie im Herbst auf Tournee.

Und aus den Konzertsälen heraus lässt es sich doch immer noch am beswingtesten herauszwitschern, oder?!
Also Informationen darüber, wie gut, mittel oder schlecht es sich gerade in der Comfort-Zone Europa aushalten lässt.

Dazu noch einen letzten Hinweis zum kommentierten Durchhalten an alle Münchener:

Johannes von Weizsäcker wird mit seinem erfolgsversprechenden Projekt ERFOLG seinen 31-Tage langen Song-Marathon auf dem ZF42-Kongress an diesem Wochenende starten.

Hier zu (er)folgen.

Maurice Summen wird ihn auf dieser gefährlichen Reise begleiten und live ein paar Tees aufbrühen.

Also Leute: Zieht Euch was chices an, geht vor die Tür und konsumiert Euch glücklich!

Mehr haben wir auch nicht gelernt (außer noch Urlaub, 1, 2, 3x im Jahr!)

Euer:
Staatsakt.

staatsakt