Blöde!

staatsakt. 04/2017

Es gesehen immer noch Zeichen und Wunder. Nee, sie geschehen. Und erst dann werden sie gesehen. Das sind biblische Worte, liebe Autokorrektur. Noch lange vor Deiner Zeit. Wunderwaffe Zufall schlägt mal wieder zu wie der Blitz vor die Füße eines tumben Erdenbewohners. Ja, dort wo gestern noch trockene Dürre ist heute urplötzlich fruchtbares Land. Immer ein guter Grund den Göttern zu danken, wenn mal wieder was an den Bäumen wächst.
Auch hier im Hause staatsakt hat sich über den Winter ein fruchtbarer Zufall eingeschlichen. Nein, wir sind nicht schwanger. Aber fast. Es ist nur so: Der von uns verehrte Musiker Stephan Sulke fragte uns, ob wir nicht Lust hätten sein neues Album herauszubringen.
Da sind wir natürlich gleich alle ausgeflippt vor lauter Freude.
Denn ich - also die Person, die hier diesen Newsletter immer schreiben muss - habe dank meiner Eltern schon immer viel Sulke gehört.
Er war tatsächlich der einzige deutschsprachige Künstler, den meine Eltern zwischen sagen wir Motown, Roxy Music, den Alessi Brothers und ACE gerne auflegten.
"Na, Lotte, wo gehen wa nu hin...?"
"Ich hab dich bloß geliebt..."
Memories are made of hits

"Ein typisches Sulke-Album mit herzzerreißenden Balladen, bitterbösen Songs und den vielen Akkordstufen dazwischen", verspricht die A&R-Abteilung über das am 16.06.2017 erscheinende neue Sulke-Album Liebe ist nichts für Anfänger.
"Nur echt mit Jaco-Pastorius-Gedächtnis Bass und Sulkes unvergesslichem Timbre mit den extra stark betonten Konsonanten..."

Blöde heißt jedenfalls die erste Single, in der Stephan Sulke in ausgestellt guter Laune zu extra-schmissigen Beats mit Unterstützung von einem durch Autotune bauchgeredeten Handpuppenfrosch sein individuelles Wohlfühl-Konzept verrät:
Mach Dich einfach dümmer als Du bist - dann kommst prima durchs Leben!

Wer später das ganze Album hören wird, wird feststellen, dass auch Sulke das nicht immer so einfach gelingt. "Wenn Stephan Sulke nicht ironisch ist, dann ist er gerne ehrlich", schrieb neulich noch die SZ ganz treffend.

Hallo? Echo??

Aber wo wir gerade so schön beim Thema Blödheit im deutschsprachigen Unterhaltungsgeschäft waren:
Hier mal ein wenig Lob an die Damen und Herren im Hause Bild- und Tonfabrik für die schöne von Linus Volkmann recherchierte "Eier-Aus-Stahl"-Folge mit Max Giesinger, der Industriemusik und der Jan Pandzko-Schlusspointe! Dass dann auch noch Carsten Erobique Meyer am Abend mit der Ehrenfeld-Tanzkapelle im Neo Magazin aufspielt: Selten so gerne GEZ-Gebühren gezahlt!

Wir gehen jetzt gleich trotzdem zur Echo-Aufzeichnung und sagen den Kollegen und Kolleginnen beim Privatfernsehen von VOX hallo! Ja, wie 'blöde' kann man sein. We find out....

Eure: Blödiane

PS: Das Available nun available haben inzwischen alle mitbekommen, oder?

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Alles raus was keine Miete zahlt!

staatsakt. 03/2017

Irgendwann vor 10 Jahren…
Ein Telefonat mit dem Filmemacher Wenzel Storch. Ob wir nicht Lust dazu hätten den Soundtrack seiner großartigen Filme wie Reise ins Glück zu veröffentlichen.
Na klar, aber wie kommt man da nur ran?
"Gar nicht so leicht, die Schütte-Brüder sitzen auf den Tapes."
Die Schütte-Brüder?!
"Ja, die gefürchteten Schütte-Brüder."

Nach langer Pause dann endlich E-Mail-Verkehr mit den Schütte-Brüdern.
Wir setzen uns da nochmal ran. Neu mischen die alten Bänder.
Da geht noch was.
Ja, super. Wenn noch was geht dann ist doch gut…

Noch ein paar Mal die Schütte-Brüder angemailt.
Und Wenzel Storch.
Aber dann kam irgendwie nix mehr.
Interesse verloren.
Vergessen.
Szenenwechsel.

RAUS

Wir schreiben das Jahr 2016:
"Hallo, Tilman Rossmy hier, hab Deine E-Mail von Frank Spilker.
Hast Du Lust die neue Regierung auf staatsakt zu machen?!"

DIE REGIERUNG auf Staatsakt?!
Was für eine Frage.

Dann einmal in Berlin mit Produzent Norman Nietzsche getroffen.
Handschlag, fertig!

Zu dem Zeitpunkt kursierten nur ein paar Demoaufnahmen.
Es war nur zur erahnen, dass es eine spitzen Platte wird.
Wurde sie dann auch:
RAUS kommt heute RAUS und geht glatt wie 'ne 1 als spitzen Comeback durch.

Nix

Vor wenigen Wochen dann beim Abendessen mit Die Regierung.
Tilman Rossmy erzählt:
"Ich finde es schade, dass manche Leute Ihr Talent vergeuden. Ich bin nur ein mittelmäßiger Musiker, aber ich habe es trotzdem weiter gebracht als viele andere. Meine Cousins zum Beispiel.
Super talentierte Typen. Aber haben nix aus ihrem Talent gemacht."

Dein Cousins?!

"Ja, die haben schon in den 80ern super Zeugs gemacht, eigenes Label, Fanzines, selber produziert, spitzen Musiker, aber wurde nichts..."

Kennt man die?

"Nee, wahrscheinlich nicht, die haben auch mal Soundtracks gemacht. Für diesen einen komischen deutschen Filmemacher… Hier… Genau… Wenzel Storch!"

Aber nicht die befürchten Schütte-Brüder?!

"Doch, genau die… Du kennst die doch nicht etwa?"

RAUS von DIE REGIERUNG steht ab heute für Euch abholbereit in den ▶︎Plattenläden, Internet-Cafes und Kaufhäusern:

(Die super Lead-Gitarre von Old Man Happy, übrigens!)

Euer:
Staatsakt.

PS: Wer Lust hat im neuen Albrecht Schrader Video auf der Kirchenbank zu sitzen ist herzlich eingeladen. Treffpunkt: Morgen, 25.03., 10:45 Zionskirche, Berlin.

PPS: Neues Chuckamuck-Video schon gesehen!? Na, dett is Balin!

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„Frauen und Musik machen das schönste Fest kaputt“

staatsakt. 02/2017

Deutschland im Winter
Am Tresen der Chauvinist
Nichts dazugelernt


Immer wenn ich an Christiane Rösinger denke, erinnere ich unsere erste Begegnung.
Wir hatten uns im Sommer 2008 verabredet um gemeinsam nach Hamburg zu fahren.
Andreas Spechtl war auch mit der Partie.
Wir beide ohne Führerschein.
Frau Rösinger am Steuer.
Aber bevor wir endlich im Auto saßen, gab es ein tolles Verabredungsmissverständnis für Wortverliebte.

Ich wartete im Lokal „Entweder Oder“ in der Oderbergerstraße in Berlin. Aber weit und breit keine Rösinger und kein Spechtl in Sicht.
Nach 30 Minuten Wartezeit ein besorgtes Telefonat. „Wo steckt Ihr denn?“, „Ja, wo steckst Du denn?“ „Ja, ich bin hier!“, „Ja, wir auch!“, „Nur wo?“...
Ratlosigkeit auf beiden Seiten.
„Also wir sitzen hier seit einer halben Stunde im Eingangsbereich“, „Ja, ich auch“.
Noch verwirrender.
„Also um sicher zu gehen, dass wir im gleichen Lokal sitzen: ich warte wie verabredet im „Entweder Oder“.
„Was?! Aber wir hatten uns doch im „Sowohl als auch“verabredet!“, „In der Kollwitzstraße!“
Großes Gelächter.
Bis heute ist übrigens ungeklärt, wer sich damals geirrt hat.

Wie groß war ein Jahr später die Freude, das Songs Of L. And Hate, das erste Rösinger-Solo-Album so gut bei den Leuten ankam.
Rösingers erste Band die Lassie Singers hatte ich als junger Teenager im Münsterland tatsächlich über den Soundtrack von Manta Der Film kennengelernt. Mein jüngerer Bruder spielte den Song Falsche Gedanken damals rauf und runter.
Musiker und Musikerinnen müssen schon etwas Besonderes schaffen, um meinen Bruder zu begeistern. Wobei, In the army now von Status Quo hat er auch immer rauf und runter gespielt...

Naja, in einer gerechten Welt würden die Lassie Singers heute mit der gleichen Selbstverständlichkeit rauf und runtergespielt werden wie Status Quo, aber wir alle kennen die Welt in der wir uns bewegen: Weiß, männlich, heterosexuell. Ein bisschen dümmlich, by the way.
„Frauen und Musik machen das schönste Fest kaputt“, wie manche Männer im Westfalenland immer zu sagen pflegen.
Ja, darauf eine Herrengedeck.
Und ein Prosit darauf, dass diese Gattung eines Tages aussterben möge. In the army oder sonst wo...

Heute erscheint endlich das Folgealbum Lieder Ohne Leiden, wieder von Andreas Spechtl co-komponiert und geschmackvoll instrumentiert.
Und auch wenn Christiane Rösinger sich mittlerweile lieber den „niederen“ Tätigkeiten widmet („Lob der stumpfen Arbeit“), gibt es sicher niemanden in dieser Sprache, der sich dem Themenkomplex „Frau über 50, unverheiratet, prekär in der BRD2“ dermaßen poetisch, ehrlich und lakonisch nähert wie die alte Lassie Sängerin.

Wer die Hoffnung auf eine Besserung in der (Pop)Kultur in Deutschland also noch nicht ganz aufgegeben hat (schwer genug!) der möge sich dieses Werk ▶︎auf der Stelle zulegen.
Ein preußischer Kaufbefehl!

Als Sneak-Preview auf den März hier abschließend noch das tolle Stück Relief von mESMO.
Leider überhaupt nicht selbsterklärend.
Holen wir aber in Bälde nach. Sowohl als auch.

Eure:
Staatsakt.

PS: Wo wir gerade über die fatalen Folgen von Chauvinismus sprechen...
https://www.change.org/p/free-welt-correspondent-deniz-yücel?source_location=petition_nav

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